Sehenswürdigkeiten auf Sardinien für Motorradfahrer
Sardinien verbindet lange Etappen an der Küste mit kurzen Abstechern zu Bauwerken, die es so nur hier gibt. Das prägendste sind die Nuraghen – kegelförmige Trockenmauertürme aus der Bronzezeit, von denen über das ganze Land tausende verteilt stehen. Das bekannteste Ensemble ist Su Nuraxi bei Barumini im Landesinneren, ein Komplex aus zentralem Turm und umliegender Siedlung. Su Nuraxi gehört zum UNESCO-Welterbe und lässt sich nur mit Führung besichtigen.
An der Nordwestküste liegt Alghero mit einer von Stadtmauern und Bastionen umschlossenen Altstadt, engen Gassen und einem Hafen direkt davor. Weiter südlich zieht sich Bosa mit seinen bunt verputzten Häusern am Fluss Temo den Hang hinauf, überragt von der Burgruine oberhalb des Ortes. An der Nordküste sitzt Castelsardo auf einem Felsvorsprung über dem Meer, mit der Burg der Familie Doria im höchsten Punkt.
Ein lohnendes Ziel im Nordwesten ist die Grotta di Nettuno (Neptungrotte) an der Steilküste des Capo Caccia. Der Zugang führt entweder über eine lange, in den Fels gehauene Treppe oder per Ausflugsboot. An der Ostküste ist Cala Gonone der Hauptort am Golfo di Orosei und Ausgangspunkt für die Buchten der Steilküste, von denen ein Teil nur zu Fuß oder mit dem Boot erreichbar ist.
Sagen, Geschichte & Kultur entlang der Route
Die ältere Geschichte der Insel steckt in der Nuragher-Kultur der Bronzezeit. Die Nuraghen dienten als Wohn-, Wehr- und Versammlungsbauten; Metallfiguren aus dieser Zeit, die sogenannten Bronzetti, zeigen Krieger, Hirten und Schiffe und sind heute in den Museen zu sehen. Wer mehrere Nuraghen abfährt, bekommt ein Gefühl dafür, wie dicht die Insel damals besiedelt war.
Das kulturelle Kernland ist die Barbagia, das gebirgige Innere rund um den Gennargentu. Die Region war lange schwer zugänglich und hat eine eigenständige Hirtenkultur bewahrt – Schafhaltung, Käse und Feste, die sich stark von den touristischen Küstenorten unterscheiden. Der Ort Orgosolo ist für seine Murales bekannt, großflächige Wandbilder mit politischen und sozialen Motiven, die seit den 1960er- und 1970er-Jahren entstanden sind.
An der Westküste hat Alghero eine katalanische Vergangenheit: Die Stadt wurde im 14. Jahrhundert von der Krone Aragón erobert und neu besiedelt. Ein katalanischer Dialekt (Alguerès) wird bis heute gesprochen, Straßenschilder sind teils zweisprachig. Das erklärt, warum sich Alghero im Ortsbild und in vielen Namen von anderen sardischen Städten abhebt.
Natur & Stopps am Rande
Das landschaftliche Zentrum der Ostküste ist der Golfo di Orosei, eine langgezogene Steilküste mit Kalkfelsen, die fast senkrecht ins Meer abfallen. Landeinwärts schließt der Supramonte an, ein karges Kalkgebirge mit Hochflächen, Höhlen und tief eingeschnittenen Tälern. Dort liegt die Gola su Gorropu, eine schmale Schlucht mit hohen, glatten Felswänden – ein Ziel für eine Wanderung an einem Nicht-Fahrtag.
Der Gennargentu ist der höchste Gebirgszug der Insel und bildet zusammen mit dem Golfo di Orosei einen Nationalpark. Die Straßen dort sind kurvenreich und führen über mehrere Pässe; die Landschaft wechselt zwischen Wald, Weideflächen und Fels. Im Nordosten prägt der Granit die Costa Smeralda – rundgeschliffene, oft bizarr geformte Felsblöcke an der Küste und im Hinterland der Gallura.
Ein ruhigerer Kontrast ist die Sinis-Halbinsel an der Westküste bei Oristano. Hier liegen flache Lagunen, weiße Quarzsandstrände und die Ausgrabungsstätte Tharros mit punischen und römischen Resten auf einer Landzunge. Die Halbinsel ist deutlich flacher als der Rest der Insel und eignet sich für entspannte Etappen ohne große Höhenunterschiede.
Genuss & lohnende Schlechtwetter-Stopps
Bei Regen oder großer Hitze bieten sich die Museen der größeren Städte an. In Cagliari zeigt das archäologische Nationalmuseum die Funde der Nuragher-Kultur, darunter die Bronzefiguren und Steinstatuen. In Nuoro, dem Hauptort der Barbagia, gibt es ein Museum zur sardischen Tracht und Volkskultur sowie ein Kunstmuseum – gut geeignet, um die Region an einem Schlechtwettertag zu verstehen.
Kulinarisch stehen der Schafskäse Pecorino Sardo und der Wein Vernaccia aus der Gegend um Oristano für die Insel. Wichtig auf dem Motorrad: In Italien gilt eine Promillegrenze, für Fahranfänger sogar null Promille. Wer eine Verkostung oder ein Glas zum Essen einplant, verlegt das auf das Ende der Tagesetappe und fährt danach nicht mehr weiter.
Als Zwischenstopp abseits der Küste lohnen die Bergdörfer der Barbagia und des Landesinneren. Sie sind ruhig, oft von steilen Gassen durchzogen und geben ein realistischeres Bild des Alltags als die Ferienorte am Meer. Viele haben eine einfache Bar oder Trattoria, in der sich eine Pause und eine warme Mahlzeit machen lässt.